Eine alte Indianer Legende

 

Es gab eines Tages ein großes Feuer im Wald. Alle Tiere flohen voller Angst in alle Richtungen, denn es war ein sehr heftiges Feuer.

Plötzlich sah ein Jaguar einen Kolibri über seinen Kopf hinwegfliegen, allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Der Kolibri flog auf das Feuer zu!

Wenige Augenblicke später sah der Jaguar ihn erneut vorbeifliegen, diesmal in dieselbe Richtung, in die er selber ging.

Der Jaguar beobachtete dieses seltsame Hin- und Herfliegen eine ganze Weile und beschloss dann, den Vogel danach zu fragen.

«Was machst du da bloss, Kolibri?», fragte er.

«Ich fliege zum See», antwortete er, «ich trinke Wasser mit meinem Schnabel und werfe es auf das Feuer, um es zu löschen.»

Der Jaguar lachte. ‹Bist du verrückt? Glaubst du wirklich, dass du dieses große Feuer mit deinem kleinen Schnabel allein löschen kannst?›

‹Nein›, sagte der Kolibri, ‹ich weiß, dass ich das nicht kann. Aber der Wald ist mein Zuhause. Er ernährt mich, er bietet mir und meiner Familie Schutz. Dafür bin ich sehr dankbar. Und ich helfe dem Wald zu wachsen, indem ich seine Blumen bestäube. Ich bin ein Teil von ihm und der Wald ist ein Teil von mir. Ich weiß, dass ich das Feuer nicht löschen kann, aber ich muss meinen Teil dazu beitragen.›

In diesem Moment waren die Waldgeister, die dem Kolibri zuhörten, von dem Vögelchen und seiner Hingabe an den Wald gerührt. Und wie durch ein Wunder schickten sie einen sintflutartigen Regenguss, der dem großen Feuer ein Ende bereitete.

Die indianischen Großmütter erzählen diese Geschichte ihren Enkelkindern und beschliessen sie mit den Worten:

«Willst du Wunder in deinem Leben anziehen? Dann erfülle deinen Teil.»

 

Und die Moral von der Geschichte:

Niemand von uns kann alleine etwas bewirken, es erscheint uns unmöglich! Und doch sind wir Teil dieser Welt und müssen unseren Teil beitragen.

Wenn wir das mit Hingabe tun, können wir Wunder bewirken. Wenn wir das gemeinsam tun, erhöhen wir die Chancen auf ein solches Wunder ins Unendliche.

 

 

Nur ein Seestern

 

Severin Klarer war Professor für Mathematik. Er war auf Urlaub, hier auf dieser schönen sonnigen Insel.
An einem besonders schönen Morgen spazierte er, in Gedanken versunken, den Sandstrand entlang.

Von weitem beobachtete er einen Jungen, der sich immer wieder langsam bückte, wohl etwas aufhob, ein paar Schritte ins Wasser trat und wieder zurückging.
Interessiert ging Severin Klarer weiter und beim Näherkommen sah er, wie der Junge sich bückte, einen Seestern aufhob und ihn ganz sanft, fast liebevoll ins Wasser zurücktrug.
Klarer musste lächeln, aber er fragte freundlich: „Hallo, was machst Du denn da?“
Der junge Mann hielt inne und sagte: „Nun, wenn ich einen Seestern finde, trage ich ihn zurück ins Wasser.“
Klarer fragte weiter: „Aber warum machst Du denn das?“

„Nun“, entgegnete der Junge, „die Sonne geht auf, die Ebbe setzt ein und es wird ein heisser Tag und wenn ich sie nicht zurück ins Wasser bringe, werden die Seesterne sterben.“
„Aber junger Mann, dieser Strand ist viele Kilometer lang und es leben Tausende von Seesternen hier, was macht es schon für einen Unterschied, wenn Du ein paar Seesterne ins Wasser bringst?“
Höflich hörte der junge Mann zu, bückte sich dann und trug wieder einen Seestern ins Wasser, der sofort quicklebendig davonschwamm, gerade so, als wollte er Danke sagen.
„Oh, es macht einen Unterschied, sogar einen grossen – zumindest für diesen Einen!“

Diese Antwort überraschte und verwirrte Severin Klarer und er wusste nichts Rechtes darauf zu antworten.
Er ging wieder zurück ins Hotel, aber die Begebenheit beschäftigte ihn den ganzen Tag.

Abends, als er auf der Terrasse stand und seinen Blick in der Dämmerung über das Meer gleiten liess, wurde es ihm plötzlich klar.
Was der junge Mann tat, war, sich zu entscheiden. Nicht nur für sich allein da zu sein und vor sich hin zu leben, sondern aktiv in dieses Universum einzugreifen, das Leben zu schützen und einen Unterschied zu machen.

Am nächsten Morgen ging Severin Klarer hinaus und trug ein paar Seesterne liebevoll zurück ins Wasser und er erfreute sich daran, dass sie munter davonschwammen und irgendwie, tief in seinem Inneren wusste er, dass auch er ein kleiner, aber wichtiger Teil dieses Universums ist ….. und es wurde ihm klar, dass jeder ein kleines Stück beitragen kann, JEDER!

E wahri Gschicht us em Alltag

 

Uf de Insel Kreta gits vil Sunne, vil Esel und au vil Mandelböim.

Di griechische Puure pflücked die Mandle, fülled si i Seck – beladed iri Esel demit und riitet dänn i d› Stadt uf de Märit, um sie det goge z’verchaufe.

Ame Tag hät de Dimitri, en alte, aber no rüschtige Maa sin Esel vors Huus gfüehrt, um en da z’bepacke.

Da gaht d’Türe uf und sin chline Enkel Joannidis chunnt use. «Wotsch mit mer i d› Stadt cho?» fröged de Dimitri sin Enkel – «N-Nei, han kei Lust» hät er zur Antwort gä.

Nöd lang drufabe isch de Enkel aber stolz uf em Esel gsässe und sin Grossvater hät

en der Stadt zuegfüehrt.

Nach eme Wiili chömeds am Huus vo de Desdemona verbi und die rüeft ganz entsetzt:

» Was fallt dir chline Chnirps ii, uf em Esel zriite und din alte Grossvater muess näbedher laufe».

De Enkel hät de Grossvater aaglueget, isch abem Esel gstige und hät em Grossvater de Platz uf em Esel überlaa.

Ihr chönd eui tänke, dass es nöd lang so blibe isch.

Wo die beide am Cafeteion verbichömid, det wo d› Manne under de Platane ire griechischi Kafi schlürfed und morgelang palavered, rüeft de Alexios us irer Rundi:   «He Dimitri, was fallt dir ii, uf em Esel zsitze und de chli Joannidis eleige vor dir her laufe zlaa.»

Gschwind händs de Joannidis ufeglupft und so sinds jetz z› zweite uf em Esel de Stadt zue gritte.

Wies dänn gäge Mittag bim Stadttor aachömed, gseht ä Märtfrau dä schwärbepackti Esel mit zwei Lüüt uf sim Rugge und rüeft entsetzt: » Wie chame nume sis Tier, en alte Esel, derewäg schinde und no z› Zweite drufhocke. Stiiged sofort ab!»

Die beide sind abgstige, händ de Esel i d› Mitti vom Märit gfüehrt, händ em d› Säck abgnoh und die Mandle – und de Esel – verchauft.

Und wer weiss, vilicht sinds dänn mit em Bus heigfahre.

 

­­­­­­­­­­­————————

 

Allen Leuten recht getan ist eine Kunst, die Niemand kann        

und die Moral von der Geschicht?

Bleib› gelassen und zentriert gegenüber den Meinungen und Urteilen Anderer

und mach das, was du von deinem Innern her als richtig empfindest .

Der Elefant – Eine Weisheitsgeschichte aus Indien

 

imene Dorf hät emal en weise Maharadscha gläbt.

Er hät en bsunders grosse und schöne Elefant gha, wo ner amigs uusgritte isch mit em.

Ame Tag hät er die blinde Bättler uf de Strass – UND VO DENE HÄTS VIL GÄH – zsämegrüeft und e Belohnig versproche für dä, wo  sin Elefant am beschte chönni beschriibe.

Jetzt händ die Bättler de Elefant afä aalange und betaschte und dä won a sis Bei anegrate isch, hät gseit: de Elefant isch wie n en Baumstamm.

De zweiti hät de Schwanz verwütscht und gseit: de Elefant isch wie n es Seil.

En andere, wo n s’Ohr untersuecht hät, dä hät gseit: de Elefant chan mer mit emene Palmeblatt vergliiche.

wider en andere isch uf de Rugge vom Elefant gstige und er hät en eso gseh wie n en Berggrat mit vile Furche – und so wiiter.

 

d’Bättler händ afä striite mitenand wele rächt hebi – de Maharadscha aber hät weise glächlet: jede hät nur en Teil begriffe – keine hät s’Ganze erfasst.

 

 

ja, gwöhnlichi Lehrer,Wüsseschaftler, wo nur de einti oder anderi Aspäkt begriffe händ, striitet mitenand, aber en Weise, dä gseht und kännt s’ Ganze.

en umfassendi Schau isch emene Mystiker oder Erlüüchtete vorbehalte ->

 

Weg vom Unbewussten(EGO) zum Bewussten(wahre Identität)

Das mongolische Pferd

 

En Maa i de Mongolei hät es wunderschöns Ross gha – und wie me weiss, sind die mongolische Ross berüehmt – und das Ross isch so bsunders gsi, dass ems sogar de König hät wele abchaufe – um jede Priis ! Aber er hät das abglehnt.

Ame Tag isch em das Ross gstohle worde – d› Lüüt im Dorf händ sich versammlet, um em ihres Mitleid z’bechunde:

«Was für es Unglück – du hettisch ja soviel Gäld chönne verdiene demit»

de Maa hät nume gsait, » Isch das so?»

14 Tag spöter isch das Ross wider zrugg cho, aber nöd elei – es hät es ganzes Dutzend wildi Ross us em Wald mitbracht.

S’Dorf hät sich wieder versammlet und gmeint:

«Du bisch sonen Glücksvogel, jetzt chasch du no viel meh Gäld verdiene»

de Maa hät nume gsait: «isch das so?»

Es paar Täg spöter isch de einzig Sohn vo dem alte Maa, wo die Ross zuegritte hät, vo eim vo dene Ross gheit und hät s› Bei broche

Wieder hät sich s› Dorf berate und zum alte Maa gsait:

«Was für es Unglück – es wär doch besser gsi, das Ross wär gar nie zrugg cho»

Und de alti Maa hät gsait: «Isch das so?»

3 Wuche später isch im ganze Land de Chrieg uusgrüeft worde und alli junge Manne sind iizoge worde. Nur de Sohn vo dem alte Maa isch dehei blibe, er isch ja kriegsuntauglich gsi.

und wieder isch s› Dorf zsämegstande und hät gmeint:

» Du Glückliche, öisi Söhn sind alle im Chrieg und chömed sicher um gäge de mächtig Find und du häsch als einzige öpper, wo für dich sorge wird.

Und de alti Maa hät gseit: Isch das so?

 

——————————

 

Was wüssed mir über d’Zuekunft, ob sie guet oder schlächt für öis isch? Am beschte isch es, d› Situatione so zgseh, wie sie sind – ohne sie z’werte und z’interpretiere. Es isch, wie nes isch!

 

 

 

D’Steipalme

 

D’Karawane hät abgsattled gha – d’Kamel sind tränkt gsi und d’Manne sind ums Füür umegsässe.

Sie händ de weisi Raman bätte, e Gschicht z’verzelle.

De Raman hät ufe i di grossi Palme zeiged – und wo de Wind d’Fächer vo de Bletter usenandweht und s’Härz vo de Palme fürechunnt, isch det, wo suscht neui Trieb a s’Liecht dränged, en grosse, rote Stei gläge.

Wänd ihr wüsse, wie dä Stei det ufe cho isch?  hät de Raman die Manne gfröged.

Ja, das isch vor vile, vile Jahre gscheh, wo die Palme no ganz jung und chli gsi isch.

Sie hät s’Meer gern gha und d’Musig vom Wasser; sie hät de fini Wind, won amigs am Namittag ufchunnt, gliebt und d’Wüestenächt – die chalte, kristallklare, mit irne Stärne und em Mond;

e chräftigi, glücklichi, jungi Palme isch es gsi – bis zu dem Tag, wo dä Maa us de Wüeschti cho isch:

Tagelang isch är i de Wüeschti umegirrt  – all sis Hab und Guät hät er verlore gha und vor Durscht und Hitz isch er fascht hinderfürschi cho. Sini Händ sind wund gsi vom vergebliche grabe nach Wasser und alles an ihm isch gränzelose Schmärz gsi. Won är die jungi, saftigi Palme gseht, packt en di nackti Wuet: Warum läbsch du? Warum findsch du Wasser und Nahrig und ich verdurschte? Warum bisch du jung und schön? Warum häsch du alles und ich nüt? Du söllsch nöd läbe!  und i blinder Raserei packt är en Stei und prässt en tüüf is Chronehärz vo dem junge Baum.

Es hät knirscht – und dänn isch es ganz stille gsi –

Gli drufabe isch dä Maa erschöpft zsämebroche und d’Kameltriiber händ en näbed de Palme gfunde. Mer sait, er seig devocho.

Die jungi Palme isch wie glähmt gsi vor Schmerz. Ihri neue, zarte Bletter sind gli verdorret i de Gluet vo de Sunne und ihres quätschti Härz isch fascht usenandbroche. S’Gwicht vo däm Stei hät si welle vertrucke. Sie hät dä Stei versuecht abzschüttle, sie hät de Wind um Hilf› bätte, aber alles hät nüt gnützt, dä Stei hät sich nöd bewegt.

Ich gib’s uf, hät sie sich gsait, es isch z’schwär. Aber da isch en anderi Stimm› gsi und die hät gsait: Gib’s nöd uf, du schaff’sch es. Muesch es nu versueche. – Was versueche?, dä Stei isch z’schwär, ich chan en nöd abschüttle. – Du muesch en gar nöd abschüttle, versuech en aaznäh; dänn wirsch erläbe, wie dini Chraft wachsed.

Und dä jungi Baum hät uufghört, gäge s› Gwicht vo däm Stei aazkämpfe, er hät sini Chraft afä bruuche zum dä Stei i d’Mitti vo sinere Chrone zbringe – und s’Gwicht vo däm Stei hät sini Wurzle länger und chräftiger werde laa.

Ame Tag sind die Wurzle so tüüf in Bode abe gwachse gsi, dass sie uf Wasser gstosse sind. Vo däm Momänt aa hät die Palme afä obsi wachse und eis Blatt ums anderi um dä Stei umegleit. Ire Stamm isch breiter und breiter worde und si isch, wänn au nöd die schönsti, so doch die mächtigsti Palme worde. Ihres Blätterdach isch so wiit gsi, dass au die grössti Karawane drunder Schatte gfunde hät.

—————-

Wo de Raman fertig verzellt hät, isch s’Füür abebrännt gsi und vo de Manne hät eine um de ander de Platz verlaa – nur eine isch blibe. Wortlos isch er zum Raman anegsässe. Ändli isch es usem usebroche: Ich bin dä Maa gsi, wo de Palme de Stei is Härz druckt hät – ich has vergässe gha, aber dis Verzelle hät alles wieder füregholt – ich fühle Schuld – was chani tue?

Träg dini Schuld, wie de Baum de Stei: nimm sie i d’Mitti vo dim Härz und versuech sie z’verwandle – und dänk dra, dass d› Liebi Händ bruucht.
Die zwe Manne sind no lang under de Palme gsässe – und ufzmal hät en liechte Wind s’Füür wieder entfacht.

 e Legände us de Wüeschti Sahara

 

De Pfau underem Chorb   

 

„wänn’s im Himmel eso schön isch“, hät es Chind sin Vater gfröget „warum läbed mir dänn da i de Wüeschti und nöd im Paradies?“

de Vater hät lang natänkt und dänn hät er gsait:

„kein Mänsch weiss d’Antwort, aber vilicht gaht’s eus Mänsche wie dem Pfau i minere Gschicht“:

En König hät en prächtige Garte gha. S’ ganz Jahr dur händ da drin Blueme blüeht, Chrüüter ire Duft verströmt und s’ Gras hät de Bode grüen gfärbt.

Breiti Flüss händ Wasser bracht und i de Böim händ Vögel i allne Farbe die schönschte Lieder gsunge.

I dem Garte hät’s all das, was me sich tröime chan, gäh – vom Schönschte und Fiinschte.

Dadezue hät natürlich au en Pfau mit sinere Fäderepracht ghört.

Ame Tag hät de König de Pfau fange laa – sie händ en ganz i Läder iibüezt und so isch er jetzt rundum vo dere grobe Huut zuedeckt gsi.

Keine, nöd emal de Pfau sälber, hät no öppis vo sinere Farbepracht chöne gseh.

Und nöd gnueg – de König hät en no under en Chorb setze la – und so hät er nöd emal meh es Fläckli vo sim Garte chönne gseh.

Ganz eleige isch er jetzt gsi und gar nüme sich sälber.

Und wie s eso gaht – mit de Ziit hät sich de Pfau a sini neui Huut gwöhnt und a sin Chorb – und er hät vergässe, wie de Garte und er sälber uusgseh gha händ.

Und gli emal isch er ganz devo überzüügt gsi, dass es kein grössere Ruum als sin Chorb gäb und e keis schöners Chleid als die Läderhuut.

Und wänn es Fünkli Hoffnig an e schöneri Wält in em uufblitzt isch, dänn hät er nume glachet.

Allerdings isch er immer dänn unruhig worde, wänn es Lüftli de Duft vo Rose oder Jasmin oder Veieli a sin Chorb ane gweht hät.

Und wänn er en Vogel ghört hät singe, dänn wär er am liebschte i d’Lüft’

ufegfloge.

Aber er hät sich wiiter nüt druus gmacht – er hät ja au nöd gwüsst, woher die Sehnsucht chunnt und so hät er sich au nöd drum kümmeret.

No immer isch de Chorb für ihn die schönschti vo allne Wohnige gsi und s’bequemschti vo allne Näschter.

Ame Tag hät de König de Pfau la cho, hät em s’Läderchleid abgno und en in Garte zrugggbracht.

Da isch de Pfau wieder i de Sunne gstande, hät de Duft vo de Chrüüter i sich inegsoge, hät all die Blueme gseh, hät d’Vögel ghört singe und  – er hät sini eigni Schönheit erchännt.

Da sind em ufzmal Träne cho und er hät zue sich sälber gsait: „wie han ich nur de Garte und mich sälber chönne vergässe?

Ä Gschicht us Persie                                                                     _________________

zum Nachdenken ein Zitat von B. Franklin:

“ wer seine Freiheit aufgibt für eine vermeintliche Sicherheit, der verliert am Ende beides»

De Adler  

 

Es isch emal en Maa gsi und dä isch in Wald gange goge en Vogel sueche wo n er mit hei näh chönnti. Er hät en junge Adler gfange, hät en heibracht und en in Hüehnerhof gsteckt, zäme mit de Hüehner, Änte und Truthüehner. Obwohl er en Adler gsi isch – de König vo de Vögel – hät er em Hüehnerfuetter zfrässe gäh.

Nach föif Jahre hät er emal Bsuech übercho vomene Naturkundler und wo die beide dur de Garte und de Hof gloffe sind, da seit de Naturkundler ganz plötzli: „dä Vogel det, das isch keis Huehn, das isch en Adler!“

„Ja, das stimmt, seit de Maa, aber ich han en zumene Huehn erzoge. Er isch jetzt kein Adler meh, er isch jetzt es Huehn – au wänn sini Flügel drü Meter breit sind!“

„Nei und nomal nei“ entgägnet ihm de anderi Maa „ er isch no immer en Adler – er hät s’ HÄRZ vomene Adler und das wird ihn höch i d’ Luft ufe flüüge laa!“

„nä nei“ seit druuf der anderi „ er isch jetzt es richtigs Huehn und wird nie meh flüüge!“

Da druf abe händs beschlosse, e Prob z’mache, wer rächt heig.

De Naturkundler  hät de Adler gno, hät en i d’ Höchi ufe ghebt und em zuegflüschtered: „Du, wo doch en Adler bisch und em Himmel ghörsch und nöd dere Ärde: breit dini Schwinge uus und flüüg!“

De Adler isch uf de Hand vo dem Maa gsässe und hät umenandglueget – da hät er hinder sich d’ Hüehner gseh Chörner picke und er isch wieder zue ne abegsprunge.

„Ich han der’s gseit – er isch es Huehn!“ hät de Bsitzer triumphiert.

„Nei, er isch en Adler – mer probiereds morn nomal“ hät de Naturkundler entgägnet.

Am andere Tag isch er mit em Adler ufs Dach gstige, hät en i d’ Höchi ufe ghebet und em zuegflüschteret: „ Du, wo  doch en Adler bisch und em Himmel ghörsch, breit dini Schwinge uus und flüüg!“

De Adler hät sich umeglueget und won er d’ Hüehner im Hof gseht scharre, da isch er wieder obenabe gschprunge und hät au mit de Hüehner gscharred.

„Glaubsch mers jetzt, er isch es Huehn und bliibt es Huehn!

„Nei – er isch en Adler und hät immer no s’Härz vomene Adler – lass’ es euis no es dritts mal probiere!“

Am andere Morge, ganz früeh, hät er de Adler gno und isch mit em zur Stadt uus, wiit ewäg vo de Hüüsere, an Fuess vomene höche Berg. D’Sunne isch grad uufgange und hät de Gipfel vom Berg vergoldet und alli Dächer händ afä strahle i dem Liecht.

Da hät er de Adler uufghebt und zuenem gseit:“ Adler, du bisch en Adler – du ghörsch em Himmel und nöd dere Ärde. Breit dini Schwinge  n uus und flüüg!“

De Adler hät umenandglueget, hät afää zittere wie wänn er nöis Läbe i sich gspürti, aber er isch nöd gfloge.

Da hät en dä Maa direkt is Liecht, i d’ Sunne luege la – und plötzlich hät de Adler sini gwaltige Schwinge uusbreitet, hät en richtige Adler Schrei ta und isch abghobe – und er isch höcher und höcher und höcher gfloge und nie meh umecho.

Er isch en Adler gsi, au wänn er wie n es Huehn gfüetteret und uufzoge worden isch!

____________________

Ein Aufruf zu dieser Geschichte aus Afrika von James Aggrey: «Ihr Völker von Afrika, ihr trägt das Göttliche in euch wie alle Menschen, aber man hat euch weisgemacht, wie Hühner zu picken und zu scharren, obwohl ihr Adler seid in euren Herzen! Breitet eure Schwingen aus und gebt euch niemals zufrieden mit hingeworfenen Körnern!»

Die Zwillinge im Mutterleib

 

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter:

„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling.

„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden groß und stark für das was draußen an der frischen Luft kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling.

„Ich glaube, das hast du eben erfunden!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – und wie soll den ‚frische Luft‘ bitte schön aussehen?“

„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller sein als hier. Und vielleicht werden wir mit den Beinen herumlaufen können und mit dem Mund tolle Sachen essen?“

„So einen Schwachsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns nährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist doch die Nabelschnur viel zu kurz.“

„Doch, das geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders sein.“

„Du träumst wohl! Es ist doch noch nie einer zurückgekommen von ’nach der Geburt‘. Mit der Geburt ist das Leben einfach zu Ende! Punktum!“

„Ich gebe ja zu, dass keiner genau weiß, wie das Leben ’nach der Geburt‘ aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird sicher für uns sorgen.“

„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo soll denn die nun sein, bitteschön?“

„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“

„So ein Blödsinn! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht! Schluss damit!“

„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie leise singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt ganz sanft und liebevoll streichelt …“

Henry Nouwen

Transformation – Metamorphose

 

Eine wunderbare Geschichte über einen Schmetterling.

Lange Zeit seines Lebens war er davon überzeugt, dass seine Bestimmung nur darin bestand, zu essen, zu schlafen und all› die Dinge zu tun, die Schmetterlinge eben tun.

Aber irgendwie war er nicht glücklich dabei. Irgendwie spürte er, dass es in seinem Leben noch etwas Anderes zu erfahren gab.

Eines Tages trieb ihn ein starkes Sehnen um und er entschloss sich, ruhig und still zu werden. Er hängte sich an den Ast eines Strauches und spann sich rundherum in einen Kokon ein.

Obwohl es im Innern des Kokon eng und unbequem war, wartete er – wach und voller Bewusstheit.

Seine Geduld zeitigte Früchte und als der Kokon aufsprang, war er nicht länger der armselige Wurm

als der er sich eingesponnen hatte, sondern ein wunder-schöner, prachtvoller Schmetterling mit Flügeln, der den Himmel blendete. Er stieg auf und flog frei und ungebunden, nicht länger eingeengt durch sein Wurm-Dasein. Er hatte sich umgewandelt in ein Wesen von Luft und Leichtigkeit, Magie und Schönheit.

Nach dieser Transformation war es dem Schmetterling nicht mehr möglich, in ein Wurm-Dasein zurückzukehren. Im Kokon wurde er eins mit seinem innersten Wesenskern und in dieser Einheit gelangte er zu seiner letztgültigen Wesensnatur.

Vasudevi